Manga- und Internetcafé
Vielleicht ist Ihnen beim Schlendern in Tokyo aufgefallen, dass es hier und da neben vielen amerikanischen und pseudoamerikanischen Cafes wie Starbucks, Exelsior, Doutor und Co. auch „Manga & Internet Cafes“ gibt. Im Gegensatz zu den anderen, überwiegend zur Straße hin offenen und mehr als Treffpunkt der Büroangestellten Sararimänner und –frauen sowie Studenten dienenden Cafes befinden sich die meisten Manga Cafes in den oberen Etagen eines Gebäudes oder im Kellergeschoss, also eher versteckt.
Nach Überwindung der ersten Scheu betritt man ein solches Manga Cafe, in unserem Fall in Akasaka, wird man gleich von einem Angestellten freundlich begrüßt mit der Frage, ob es ein Kabinchen mit einem Sofa, einem Massagestühl oder gar Tatami‐Matten sein darf. Man entscheidet sich für einen Massagestühl, denn man gönnt sich ja sonst nichts. Die nächste Frage bezieht sich auf die Dauer des Aufenthalts, also eine Stunde, zwei oder eine ganze Nacht, eventuell mit Benutzung der Dusche. Die erste Stunde kostet dort 400 Yen und danach kann man den Aufenthalt jeweils um 15 Minuten verlängern. Also geht man zum Automaten und holt sich ein Ticket, in unserem Fall erst einmal für zwei Stunden. Man kann beliebig verlängern und am Ende abrechnen.
Das Manga Cafe in Akasaka ist in Männer‐ und Frauentrakt geteilt. Man bekommt die Nummer seines Kabinchens und dort befindet sich ein PC mit Internetzugang, ein Aufladegerät für Handys und iPod sowie eine Leselampe, alles auf einer Fläche von etwa 1,5 m2. Die Schiebetür kann man sogar verschließen, ein Bisschen Privatsphäre und Sicherheit, wenn man es positiv interpretiert. Es ist Mitternacht und man hört schon leises und lautes Schnarchen von verschiedenen Richtungen. Ja, nachts dienen diese Manga Cafes tatsächlich als billige Übernachtungsmöglichkeit für diejenigen, die den letzten Zug (Shûden) verpasst haben. Daher das Angebot der Dusche morgens, bevor man sich wieder aufmacht zur Arbeit.
Natürlich kann man nach Herzenslust Comics lesen, dazu ist es ja ursprünglich gedacht. Ganze Regalwände voll mit Comics aller Gattungen gibt es da. Leider nur japanische Comics, muss ich hinzufügen. Aber wer die ganze Nacht mit Internetsurfen verbringen möchte, kommt hier auch auf seine Kost. Wenn man Hunger hat, kann man etwas zu essen kaufen oder gar telefonisch Pizza und Co. bestellen.
Manga Cafes sind echte Alternative zu Capsule Hotels: Sie sind günstig, sicher, meist sehr zentral und man bekommt sein eigenes „Zimmerchen“ zum Schlafen oder lesend bzw. surfend Wachbleiben. Wer allerdings lärmempfindlich ist, für den ist das Manga Cafe wegen der Nähe zu seinen schnarchenden Nachbarn nicht der geeignete Ort. Oder wie in Capsule Hotels gleich mit Ohrstöpsel antreten. Aber es lohnt sich, vielleicht eine Schnupperstunde lang diese besondere Atmosphäre mitzuerleben, denn so etwas wie Manga Cafes gibt es sicher nirgends sonst auf der Globe. Eine Besonderheit von Tokyo eben.






