Chiyoda
Das Alte, das Neue und das Wichtige in Tokyo’s Mittelpunkt – Tokyo Mitte: Stadtbezirk Chiyoda. Chiyoda ist die geografische Mitte von Tokyo und gleichzeitig auch das politische und wirtschaftliche Zentrum von ganz Japan. Die Regierung hat hier ihren Sitz, sowie viele Botschaften, das Finanzzentrum und der Palast vom Kaiser. Die teuerste Straße in Tokyo liegt hier und an dessen Ende der größte Fischmarkt der Welt.
Der Stadtteil Chiyoda in Tokyo macht heute das Gebiet aus, welches früher die Gegend rund um das Schloss Tokyo bildete. Der Name „Chiyoda“ bedeutet übersetzt ungefähr „Feld der tausend Generationen“, was bis heute die Bedeutung von Chiyoda für Tokyo und Japan sehr gut beschreibt. Auch wenn man heute keine tausend Generation braucht, um alles in Chiyoda zu sehen, ein paar Tage sollte man schon einplanen, denn es gibt viel zu entdecken.
Tokyo Station
Manche sagen, dass Tokyo als Stadt gar nicht existiert, es gibt nur einen Bahnhof mit dem Namen. Dieser Bahnhof, die Tokyo Station, steht in Chiyoda und bietet einen optimalen Zugang zu dem Bezirk. Im Jahr 1914 fertig gestellt und durch Krieg und diverse Naturkatastrophen immer wieder beschädigt, ist die Tokyo Station heute eine der größten und geschäftigsten Bahnhöfe in Japan. Hier hält der Schnellzug Shinkansen, mit dem man innerhalb von wenigen Stunden nach Kyoto, Osaka oder in den Rest von Japan gelangen kann. Dazu laufen insgesamt 14 Zug- und Metrolinien in der Station zusammen und machen sie somit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in Tokyo.
Man hat grundlegend drei Möglichkeiten zur Tokyo Station zu gelangen: Von Westen, aus Richtung Shinjuku – wo man auch an dem Yasukuni Schrein vorbeikommt, in dem gestorbenen Soldaten und Kriegsopfern gedacht wird. Jedes Jahr im Juli findet dort ein großes Festival statt, bei dem mehrere zehntausend Laternen aufgestellt werden, die an die verstorbenen Ahnen erinnern sollen.
Kommt man aus Norden zur Tokyo Station, fährt man auch durch das Anime- und Manga Zentrum Akihabara, welches ebenfalls noch zu Chiyoda gehört. Nimmt man den Zug aus Richtung Süden, kommt man an Yurakucho vorbei.
Marunouchi
In Yurakucho steht das Tokyo International Forum, eine architektonischen Meisterleistung aus Glas und Stahl, die viele Ausstellungsräume und Konzertsäle beherbergt. Von dort kann man dann Richtung Tokyo Station laufen. Immer an der Bahntrasse entlang, entdeckt man dabei viele kleine Restaurants, die sich dort angesiedelt haben und stadtweit für ihre gute (und schnelle) japanische Küche bekannt sind. Die kleinen Restaurants leben größtenteils von den vielen japanischen Geschäftsmännern, die aus dem nahe gelegenen Geschäftsviertel Marunouchi stammen und nach Feierabend noch schnell ein leckeres Mahl zu sich nehmen wollen.
In Marunouchi befinden sich die größten Banken Japans und es gilt als das Finanzzentrum von Tokyo. In der Zeit der „Bubble-Economy“, dem Wirtschaftsboom der 70er und 80er Jahre in Japan, explodierten die Preise für die Mieten und die Hochhäuser aus Glas schossen wie Pilze aus dem Boden. In den 90er Jahren platzte die Blase und die Rezession setzte ein. Heute hat sich die japanische Wirtschaft wieder stabilisiert, doch einige Gegenden in Marunouchi leben immer noch in den Zeiten der Bubble Economy. Zu diesem Schluss kann man zumindest gelangen, wenn man sich einige Preise anschaut…
Marunouchi bietet einen schönen Blick auf das Alte und Moderne Japan. Die Hochhäuser locken mit Shops, Restaurants mit Aussicht und vereinzelten Dachgärten im Großstadtdschungel. Mittendrin findet sich dann aber das Backsteingebäude der Tokyo Station und der Kaiserpalast.
Der Palast vom Tenno findet sich unweit der Tokyo Station. Das Gelände wurde in den letzten 200 Jahren von Neubauten einigermaßen verschont, sodass, wenn man Tokyo bei Nacht aus dem Weltraum betrachtet, der Kaiserpalast immer noch als dunkler Fleck ohne elektrisches Licht inmitten der Metropole erscheint.
Der Kaiserpalast gliedert sich in innere und äußere Bereiche. Der äußere Bereich ist ein weitläufiger Park, in dem man einen schönen Blick auf die Skyline von Marunouchi hat. Allerdings ist das kein Park im europäischen Sinne, auf dem Gras Liegen ist nicht erlaubt. Nur dran vorbei schreiten und still bewundern ist gestattet.
Die inneren Bereiche sind für Normalsterbliche gesperrt. Nur an zwei Tagen im Jahr öffnet der Palast seine Pforten, und zwar am 23. Dezember (der Geburtstag vom Kaiser) und am 2. Januar (Neujahrfeier). Dabei zeigt sich die kaiserliche Familie dem normalen Volk, winkt ein bisschen und lächelt ihm zu.
Der Kaiserpalast ist ein stilles Fest für die Augen, bietet aber leider neben den Tagen wo er öffentlich zu betreten ist, nicht sehr viel. Doch alleine um mal auf dem Gelände gestanden zu haben, welches für Jahrhunderte für normale Menschen gesperrt war, sollte man sich zum Palast aufmachen.
Der Park, vor allem der Weg am äußeren Rand um die Burggräben, ist sehr beliebt bei Joggern. Nach Feierabend finden sich hier mehrere hundert Läufer und Fahrradfahrer an, die nach einem Tag im Büro die ca. 8km lange Strecke um den Palast laufen. Es ist auch eine der schönsten Laufstrecken in Tokyo, vor allem im Frühling, wenn die Blumen im Park und die Kirschbäume aufblühen.
Wieder zurück zur Tokyo Station und hinter Marunouchi befindet sich die Ginza, die teuerste Straße in Tokyo. Sie ist eine Einkaufs- und Bummelmeile, vergleichbar mit dem Champs Elysee in Paris. Teuer war die Ginza schon immer, doch erst in den Zeiten der Bubble Economy sind die Preise für Mode, Drinks oder Cafés erst richtig angestiegen. Auch wenn die Bubble Economy seit 20 Jahren vorbei ist, auf der Ginza zahlt man heute noch ähnlich teure Preise.
Sukiyabashi Ginza
Doch ein Spaziergang entlang der Meile lohnt sich. Am Ende der Ginza und am äußersten Rand von Chiyoda befindet sich der Tsukiji Fischmarkt, der größte Fischmarkt der Welt. Je weiter man die Ginza runter läuft, desto mehr riecht man dann schon den frischen Fisch.
Jeden Morgen gibt es hier eine große Thunfisch-Auktion, bei der ein einzelner Fisch bis zu mehreren Hunderttausend Euro erzielen kann. Die Auktion kann man als Tourist auch besuchen, man muss nur sehr früh aufstehen: Start der Auktion ist 5.30 Uhr morgens, wenn man eine Stunde vorher da ist hat man noch gute Chancen, hineinzukommen. Seit Mai 2010 gibt es nämlich eine neue Regelung was Besucher angeht. Da die Leute dort schließlich ihrem normalen Arbeitsalltag nachgehen, und man als Tourist nur mal reinschaut, müssen gewisse Regeln beachtet werden. Nun ist es so, dass pro Auktionsmorgen zwei, jeweils 30 minütige Touren erlaubt werden, mit maximal 70 Leuten. Der Eintritt ist frei, man muss nur rechtzeitig da sein.
Viel spannender als die morgendliche Auktion ist allerdings der gesamte Markt selbst. Dieser ist ganztägig geöffnet, auch wenn er am Morgen, wenn die frische Ware für den Tag nach Tokyo kommt, natürlich am geschäftigsten ist. Was dort jeden Tag passiert ist wirklich kaum zu beschreiben. Überall wird gehandelt, geschrien, Ware verteilt und riesiger Fisch in kleine Portion zersägt. Den Fisch kann man dann mehr als frisch für wenige Yen erwerben. Man muss nur ständig aufpassen, nicht von den vielen kleinen Ein-Mann-Lastern überfahren zu werden, die Ware von einem Stand zum nächsten bringen, und dabei gekonnt durch die engen und überfüllten Gassen manövrieren. Das ganze Gelände ist einfach nur riesig und überall passiert etwas. Als Tourist sollte man sich allerdings höflich verhalten und nicht allzu sehr im Weg herumstehen. Sonst wird man überfahren und gleich auf dem Markt als exotisches Sushi aus dem Westen verkauft.






