Alt und jung –

Tokyos Spielplatz Harajuku

In keinem Stadtteil von Tokyo ist das Alte und das Neue so nah beieinander, wie in Harajuku: der größte Schrein Japans, der Meiji-Schrein, befindet sich hier, sowie auch viele Klamottenläden und junge Japaner, die hier neue Fashion-Trends setzen, oder mit Cosplay und Rock’n’Roll ihre Jugendkultur ausleben.

Brücke zum Meiji-Schrein

Harajuku liegt im westlichen Tokyo, zwischen den beiden großen Zentren Shinjuku und Shibuya. Eigentlich existiert der Stadtteil „Harajuku“ auch gar nicht, es ist nur der Name der Bahnstation, die in einem Fachwerkshaus-Stil gehalten ist. Der Name der Umgebung ist offiziell ‚Meiji-Jingumae’, was soviel heißt wie „Umgebung vom Meiji-Schrein“. Die Bahnstation dient neben dem Zugverkehr auch als Umkleidekabine für viele Cosplayer, die sich jeden Sonntag auf der Brücke zum Meiji-Schrein einfinden um ihre neuesten Kreationen den Passanten und Touristen zu zeigen (und sich mit ihnen fotografieren lassen). Häufig trifft man hier auch Mädchen im Gothic-Lolita-Stil, mit bunten und weiten, klassischen Klamotten, die besonders kawaii („süß“) sind.

Harajuku Bahnstation

Über die Brücke kommt man dann, vorbei an den Cosplayern und der Popkultur, zum traditionellen Japan und dem Wald vom Meiji-Schrein. Bis zum Schrein selbst ist es ein weiter Marsch, durch riesige ‚Torii’ (Schrein-Tore), in einen großen, naturbelassenen Wald, der im Zentrum von Tokyo alle Geräusche der Stadt ausblockt. Shinto-Schreine, so wie der Meiji-Schrein, verehren Naturgötter, die in ihnen oder in ihrer Umgebung leben. Der Meiji-Schrein ist allerdings dem Kaiser Meiji und seiner Frau gewidmet und er wurde nach deren Tod 1920, nach knapp 6 Jahren Bauzeit, fertig gestellt.

Der Meiji-Schrein

Im Schrein selbst finden häufig traditionelle japanische Hochzeiten statt, wobei Braut und Bräutigam in traditionellen Kleidern an den Touristen vorbei schreiten. Man kann hier auch diverse Glücksbringer erstehen, die Götter um Glück bitten oder auf Ema (Holztafeln) seine Wünsche für die Zukunft schreiben, in der Hoffnung, dass sie von den Göttern gehört werden. Schreibt man seinen Wunsch auf Japanisch, erhöht das natürlich die Chancen gehört zu werden.

Japanische Hochzeit

Nachdem man die Götter um einen Segen gebeten hat, kann man sich dem Shopping zuwenden: Direkt an der Bahnstation gehen zwei wichtige Einkaufsstraßen ab, die beide parallel zueinander verlaufen, sich in Angebot und Preis jedoch sehr stark unterscheiden.

Da wäre zum einen die Takeshita Dori, voller kleiner Klamottenläden, die sich dicht an dicht in der engen Straße drängen. Hier findet man Insbesondere Outfits und Accessoires für den Gothic-Lolita Style. Am Wochenende ist hier allerdings ein sehr starkes Gedränge. Auch sollte man aufpassen, nicht beklaut zu werden. Japan und insbesondere Tokyo sind zwar ein sehr sicheres Pflaster, doch die Takeshita Dori gehört zu den wenigen Plätzen, wo man auf der Hut sein sollte, da insbesondere Ausländer versuchen das Gedränge auszunutzen.

Auf der Takeshita Dori finden sich auch diverse süße Leckereien, am berühmtesten ist dabei der Harajuku-Crêpe, eine japanische Interpretation des französischen Crêpe: Süßer Teig mit Füllung. Das kann in Harajuku schon einmal eine Viertel-Sahnetorte sein, die in den Teig eingerollt wird. Schmeckt aber gut und vor allem sehr süß. Die Crêpes sind so beliebt, dass man mit mehr als 10min Wartezeit rechnen sollte.

Takeshita Dori mit Outfits und Accessoires

Kommt man aus der Takeshita Dori heraus, befindet sich rechts von einem die zweite große Einkaufsstraße in Harajuku, die Omotesando.

Die Omotesando wird auch gerne als das Champs-Élysées von Tokyo bezeichnet (nach der berühmten Pariser Einkaufsmeile). Das trifft es allerdings nicht ganz, da Tokyo so groß ist, dass es mindestens drei von diesen großen und teuren Einkaufsmeilen hat.

Verglichen mit der Takeshita Dori sind die Preise auf der Omotesando auch sehr viel teurer. Viele Designer und Marken-Läden siedeln sich hier an, wie z.b. GAP oder Laforet. Es könnte nur schwierig werden, etwas in europäischer Größe zu finden, da viele Klamotten auf japanische Körper zugeschnitten sind. Auf der Omotesando gibt es auch den Laden Kiddy Land – und hier ist der Name wirklich Programm. Hier kann man sich wirklich wie ein Kind fühlen und sich von all dem Spielzeug, Puppen und bunten Spaß auf 6 Stockwerken begeistern lassen. Hier finden sich ausschließlich lizensierte Produkte von Disney, Ghibli aber auch Nintendo.

Unweit der Omotesando, versteckt in einer Seitengasse, befindet sich ein buntes Haus, das im grauen Stadtdschungel von Tokyo absolut auffällt: Die Design Festa Gallery ist eine offene Galerie für junge kreative Künstler. Jeder kann hier zu moderaten Preisen etwas Raum mieten und seine Fotos, Figuren oder Manga-Zeichnungen ausstellen. Das Cafe der Gallerie ist auch absolut zu empfehlen, mit seinen bunten Ambiente und Bäumen, die mitten durch den Flur wachsen. Die Design Festa ist eine Institution für junge Künstler in Tokyo, die Galerie ist ganzjährig geöffnet.

Yoyogi-Park

Nach all dem Shopping lohnt ein Spaziergang durch den Yoyogi-Park, direkt neben dem Meiji-Schrein. Tokyo hat recht wenige öffentliche Grünflächen, und kaum einer ist so weitläufig wie der Yoyogi-Park. Vor allem am Wochenende sieht man hier viele Menschen und junge Leute, die in trendigen Klamotten rumlaufen, Musik machen, schauspielern oder Tanzeinlagen proben. Besonders hervorstechen tun dabei die Rockabillys.

Jeden Sonntag treffen sie sich hier im Yoyogi Park, die Kerle dabei ganz in Schwarz und Leder, mit zurückgegelten Haaren und Sonnenbrille, die Mädchen im bunten Petticoat Rock. Dazu große Boxen, die Rockklassiker aus den 50er und 60er Jahren spielen, oft auch japanische Varianten davon. Jedesmal ein interessantes Schauspiel. Und vor allem, im Gegensatz zu vielen Dingen in Harajuku, absolut kostenfrei.

Yoyogi-Park

Dann war da noch:

NHK Studio Park – Eine Art Vergnügungspark zum japanischen Fernsehsender NHK, wo man die Sets von diversen Samurai-Soaps besichtigen, oder NHK’s Maskottchen Domo-kun treffen kann.

Nationals Children Castle – Ein Paradies für Kinder, mit Spielzimmern, Bastelmöglichkeiten und einem Spielplatz auf dem Dach

Aoyama Friedhof – Weiläufiger, alter, japanischer Friedhof, mit vielen Kirschblüten im Frühling

Harajuku bietet viel – vor allem wenn man bereit ist viel auszugeben. Andere Stadtteile von Tokyo sind zwar billiger was Fashion und Fun angeht, doch gewisse Sachen gibt es eben nur hier. Harajuku beweist auch, dass Japaner absolut alles tragen können, und trotzdem cool aussehen. Sei es nun traditionelle Schrein-Kleidung, Cosplay-Kostüme oder 60er Jahre Rock’n’Roll Leder. In Harajuku ist erlaubt, was Spaß macht.

Wie kommt man hin:

Harajuku liegt zwischen Shinjuku und Shibuya und lässt sich am Besten von beiden mit der Yamanote-Linie erreichen.

Mitnehmen sollte man:

Viel Zeit, ordentliche Schuhe zum Laufen und eine hohe Toleranz für die Menschenmassen am Wochenende…

Vermeiden sollte man…

…Harajuku gar nicht zu besuchen!

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