Hoch hinaus: Tokyos Norden Ikebukuro
Ikebukuro ist allgemein als recht uncool bekannt. Doch dieser Mangel von Druck einem coolen Ruf gerecht zu werden oder sich selbst wichtig zu nehmen, bot viel Platz und Freiheiten für Neues und Eigenes. So steht hier das Sunshine 60 Hochhaus, welches einmal das höchste in ganz Japan war und immer noch einen fantastischen Blick über Tokyo bietet. Jede Gasse, Straße und Haus ist auch voll mit Bars und Cafés, die die Besucher aus den beiden großen Kaufhäusern von Ikebukuro (die zu den größten der Welt gehören) gerne aufnehmen. Und dann gibt es da noch die Otome Road, ein Viertel ausschließlich für weibliche Anime und Manga Fans.
Lebensader und großer Mittelpunkt von Ikebukuro ist der gleichnamige Bahnhof, dem es man zwar nicht ansieht, doch der der drittgrößte Bahnhof in Tokyo ist (und somit einer der größten der Welt). Die Bahnstrecke teilt das Viertel dabei in Ost und West auf. Auf jeweils beiden Seiten gibt es dabei riesige Kaufhäuser: Seibu im Osten und Tobu im Westen. Beide Häuser versuchen sich ständig gegenseitig in der Größe zu übertrumpfen. Durch diesen harten Wettkampf gehören beide Kaufhäuser mittlerweile zu den größten der Welt – und einen Gewinner gibt es bis heute nicht.
Sunshine 60
Ikebukuro ist zwar nicht bekannt dafür, doch hat durchaus ein sehr lebendiges Nachtleben, mit Clubs, Konzerten und Bars. Die größte Konzerthalle ist das Tokyo Metropolitan Art Space, das neben dem längsten Aufzug der Welt auch viele Räume für Ausstellungen hat.
Über allem schwebt in Ikebukuro das höchste Gebäude: der Sunshine 60 mit namens gebenden 60 Stockwerken, an deren Spitze sich eine Aussichtsplattform befindet, die eine wunderbare Rundumsicht über Tokyo bietet. Sunshine 60 war einmal das höchste Gebäude in ganz Ost-Asien, allerdings nur für weniger als zehn Jahre. Und inzwischen überragen viele Gebäude in Tokyo, vor allem in Shinjuku, den Sunshine 60 bei weitem. Jedoch bietet der Blick aus diesem Hochhaus eine Aussicht auf eben diese hohen Gebäude ein paar Kilometer südlich, die sich in Shinjuku dicht an dicht drängen. Eine ungewöhnliche Sicht, denn wenn es in Tokyo zwar viele Hochhäuser mit Aussichtsplattform gibt, so bietet keine eine so weite und freie Sicht auf Tokyo wie diese. Der Eintritt auf die Panorama-Etage kostet zwar ein paar Yen, ist aber nicht zeitlich begrenzt und enthält sogar ein Getränk nach Wahl, sodass man auch einen wunderbaren Sonnenuntergang über der Metropole genießen kann.
Metropolitan Art Space
Zu Fuße des Sunshine 60 befindet sich die Sunshine City, entlang der Sunshine Dori – viel Sonnenschein für Ikebukuro. Die Sunshine City ist gespickt mit Einkaufszentren, Shops, Cafés und preiswerten Restaurants. Auf der anderen Seite des Sunshine 60 befindet sich ein kleiner Park mit einem Gedenkstein, der an das Sugamo Staatsgefängnis erinnern soll, dessen Ruine abgerissen wurde, um für das Sunshine 60 Platz zu machen. Das Sugamo Gefängnis war nationalweit als Lager für Kriegsgefangene berühmt und berüchtigt.
Gegenüber dem Park befindet sich das Anime- und Manga Zentrum von Ikebukuro. Gleichzeitig ist es auch das Zentrum für weibliche Manga-Fans von gesamt Tokyo: die Otome-Road (wörtlich „Die Straße der Jungfrauen“). Sie ist ein Abschnitt entlang einer Straße, die vor Manga-, Anime und Cosplay-Läden nur so platzt. Zu jeder Tageszeit finden sich hier weibliche Otaku, oder Fujoshi („verdorbene Mädchen“), die die Straße bevölkern.
Auch hier gibt es Mandarake, ein berühmter Manga-Laden, der hier in Ikebukuro auch viele von den Mädchen selbst gezeichnete Manga verkauft.
In Ikebukuro merkte man den Trend, der in Richtung weiblicher Manga-Fans ging, und man stellte sich darauf ein. So gibt es hier, Tokyo-weit einzigartig, Neko-Cafés. Neko ist japanisch für Katze, und diese Cafés werden manchmal auch Cat-Cafés genannt. Für einen kleinen Eintritt kann man sich in die Cafés setzen, in der mehrere Dutzend Katzen umherlaufen, die man dann nach Herzenslust streicheln kann.
In Ikebukuro gibt es auch Tokyo’s letzte Straßenbahnlinie. Früher gab es Straßenbahnen in allen Großstädten in Japan, bis der Platz eben oberhalb der Erde nicht mehr ausreichte und man sich mehr auf die U-Bahn konzentrierte. In Ikebukuro wurde diese Entwicklung allerdings etwas vergessen, und so findet man heute noch eine kleine putzige Straßenbahn, die sich durch kleine Viertel und Häuser schlängelt – alles im Schatten des einstmals höchsten Gebäude von ganz Japan.
Ikebukuro mag auf den ersten Blick langweilig wirken, es verbirgt sich allerdings viel Charakter und viele interessanten Geschichten hinter den oftmals grauen Fassaden. Für weibliche Manga-Fans ein absolutes Muss!






