Tokyo Guide Shinjuku
Shinjuku ist eins von Tokyos Zentren: Wolkenkratzer, Regierungsgebäude und lange Shopping-Meilen drängen sich in Straßen voller bunter Neon-Schilder. Der größte Bahnhof der Welt befindet sich hier, sowie auch Künstlergassen, Rotlichtviertel (mit Yakuza) und teure Designer-Läden. An Shinjuku kommt man in Tokyo kaum vorbei, und es gibt gute Gründe länger in dem Stadtteil zu bleiben.
Ein Aufenthalt in Shinjuku beginnt meistens mit der Ankunft in der Shinjuku-Station, dem nach Passagieren größten Bahnhof der Welt. Pro Tag kommen hier 3 Millionen Menschen durch und alle drängen sich in den nächsten Zug. Zehn Zug- und drei Ubahn-Linien treffen am Bahnhof Shinjuku zusammen, was ihn zum zentralen Umsteigebahnhof für viele macht. Es gibt über 200 Ausgänge und wenn man den falschen erwischt, muss man weite Umwege auf sich nehmen. Verglichen mit dem eher unscheinbaren, jedoch weitreichendem, oberirdischen Bahnhof, erstreckt sich ein gigantisches Netzwerk im Untergrund, mit Shopping Malls, Zugstrecken und Verbindungstunnel. Sich hier zu verlaufen ist trotz ausreichender Beschilderung nicht sehr schwer.
Hat man dann den richtigen Ausgang erwischt, gibt es sofort vieles zu entdecken. Am Horizont erstrecken sich dann westlich vom Bahnhof das Wolkenkratzer-Viertel, mit Hotels, Banken und Bürogebäude. Das Tokyo Metropolitan Government Building, das Rathaus von Tokyo ist dabei ein absolutes Muss, denn dort kann man kostenlos bis auf den 45. Stock hochfahren, zu einer Aussichtplattform, die einen wunderbaren Rundumblick auf gesamt Tokyo bietet. Vor allem bei Nacht ein faszinierender Anblick: man sieht nicht, wo die Stadt endet und der Horizont beginnt. An sehr klaren Tagen kann man sogar den Berg Fuji erkennen.
Dazu gibt es im 1. und 2. Stock vom Tokyo Metropolitan Government Building auch ein Zentrum für Touristen, mit mehren Infos und kostenlosen, ausführlichen Stadtkarten (u.a. auch in Deutsch). Es gibt auch ein Zentrum für interessante Tourismusgebiete außerhalb von Tokyo. Jeden Wochentag gibt es dabei vor dem Büro ein oder zwei Leute, die traditionelle Kostüme aus bestimmten Regionen in Japan tragen, sich wie ein Samurai verkleiden oder lokale Monster und Dämonen mit Coplay darstellen. Diese machen sich oft einen Spaß daraus, die Besucher und Touristen zu erschrecken.
Das Shinjuku Rathaus
Geht man von den Wolkenkratzern wieder Richtung Bahnhof, läuft man durch Nishi-Shinjuku (West-Shinjuku). In vielen kleinen Gassen finden sich Unmengen von Restaurants und Bars, die für jeden Geschmack etwas bieten. Am Abend kann es hier besonders voll werden, wenn die Geschäftsmänner Feierabend haben, und noch flink eine Schüssel Ramen oder Curry-Reis essen wollen. Es gibt viele gute und bezahlbare Restaurants, doch man sollte sich die Position des Lokals gut merken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man sie in der Vielzahl der Geschäfte in diesen verwinkelten Gassen nie mehr wieder findet…
Etwas näher am Bahnhof befindet sich die Omoide Yokochō (wörtlich: „Die Straße der Erinnerungen“), oder auch liebevoll „Kakerlaken-Gasse“ genannt. Das ist eine versteckte, enge Gasse, die eher an Shanghai oder sogar Szenen aus Science-Fiction Filmen erinnert, so wie zum Beispiel in „Blade Runner“, für den diese Gasse auch als Inspiration gedient haben soll. Es dampft aus allen Türen und Fenstern, es riecht nach gebratenem Fleisch und von jeder Seite versuchen einem die Ladenbesitzer zum Gast zu machen. Doch Vorsicht, einige dieser Läden machen sich einen Spaß daraus, Touristen auszunehmen. Jedoch gibt es auch viele faire und leckere Lokale dort. Und die Atmosphäre ist einfach einmalig.
Omoide Yokochō („Die Straße der Erinnerungen“)
Auf der anderen Seite vom Bahnhof liegt die Yasukuni-Dori, in der viel von Shinjuku’s Nachtleben stattfindet. Durch eine Seitenstraße der Yasukuni-Dori kommt man nach Kabukichô, dem berühmt-berüchtigten Rotlichtviertel von Shinjuku. Hier ist auch eine der wenigen Gelegenheiten die Yakuza, die japanische Mafia, direkt zu sehen. In anderen Orten von Zentral-Tokyo sind sie nicht so präsent. Auch wenn man hier eher die Yakuza-Anwärter sieht, junge Bengel mit wilden, gefärbten Haaren, die in der Yakuza Hierarchie aber ganz unten stehen und daher die Lakaien-Arbeit machen müssen. In Kabukichô bedeutet das, dass sie versuchen Besucher in die Nachtclubs zu locken. Trotzdem ist Kabukichô eine sichere Ecke, auch für Familien und Kinder, und die Yakuza-Anwärter lassen Touristen oft in Ruhe.
Eingang des Kabukichô
Hinter Kabukichô, und fast unmöglich zu finden, wenn man nicht davon weiß, ist die Golden Gai: kleine Gässchen mit lauter kreativen, bunten, schrillen und teilweise absurden Bars, die sich Tür an Tür drängen. Shinjuku Golden Gai war früher ein Treffpunkt für Künstler, und auch wenn immer noch Manga-Autoren, Regisseure und Musiker hierher kommen, so lebt das Viertel doch eher von seinem Ruf und den Touristen, die ihm folgen.
Und dann wär da noch:
Shinjuku-Gyoen – einem Park mit Pflanzen aus aller Welt (kostet allerdings auch Eintritt),
Shinjuku-Ni-chome – dem stadtbekannten Schwulenviertel, voller Clubs und Bars
Wald 9 – ein Kino mit deutschen Namen, in dem auch jährlich das deutsche Filmfest Tokyo stattfindet
Toto Super Space – Ein Showroom über die neueste Bad- und vor allem Toiletten-Technologie
Park Hyatt Hotel – Drehort von Sofia Coppolas „Lost in Translation“, mit wunderbarer Aussicht über die Stadt
Schwerter Museum – Alte japanische Samuraischwerter und Katana aus den Jahrhunderten
Shinjuku lädt zum Kommen und Bleiben ein. Doch zu lange bleiben sollte man nicht, sonst vermisst man noch den letzten Zug, der gegen Mitternacht von der Shinjuku-Station abfährt. Danach bleibt der Bahnhof, und halb Shinjuku totenstill bis zum nächsten Morgen, wenn ein neuer Arbeits- und Ausgeh-Tag beginnt.
Die Golden Gai
Die Golden Gai
Wie kommt man hin:
Die Shinjuku Station liegt im Westen von Tokyo und wird von den größten Linien angefahren, vor allem von der Ringbahnlinie Yamanote und der zentralen Chuo-Linie
Mitnehmen sollte man:
Einen Stadtplan mit Bildern von den Hochhäusern, an denen man sich orientieren kann
Vermeiden sollte man…
…die Rush Hour in der Shinjuku Station, von 7-10 Uhr und 18-24 Uhr, wo sich halb Tokyo auf den Weg zur Arbeit, oder den Nachhauseweg macht. Auf dem Bahnhof und in den Zügen gibt es dann kein Treten mehr.






